Flügel von Bösendorfer, Wien

Original von 1882, 2,50 m
Originalzustand, Mechanik und Dämpfung orginal, Saiten und Wirbel erneuert

 Nr. 9.625 aus dem Besitz von Theodor Leschetizky:
Gerad-Saiter, keine Gussplatte,  Wiener Mechanik, Leder, seltene Patent-Auslösung

Tonumfang AA - a4, 2 Pedale

Das Unternehmen wurde am 25. Juli 1828 von Ignaz Bösendorfer in Wien gegründet, der Lehrling bei Joseph Brodmann war und dessen Werkstatt übernahm. Innerhalb kürzester Zeit erwarb er sich durch seine sauber verarbeiteten und klangschönen Instrumente einen hervorragenden Ruf und erhielt 1839, als erster Klaviermacher überhaupt, vom Kaiser den Titel eines k.k. Hof-Claviermachers. 1858 folgte die Ernennung zum höher angesehenen Kammerlieferanten des Kaisers.
Als Ignaz Bösendorfer 1859 starb, übernahm sein erst 24-jähriger Sohn Ludwig Bösendorfer das Unternehmen. Da die Titel der Hof- und Kammerlieferanten auf die Person bezogen waren, musste er erneut ein Gesuch beim Kaiser einreichen. Den Titel des k.u.k. Hoflieferanten erhielt er erst 1866, den des Kammerlieferanten Seiner Majestät 1869. Mit viel Geschick führte er das Unternehmen weiter und die Instrumente wurden bald in alle Welt exportiert. Franz Liszt, der Ausnahmepianist, dessen Klavierspiel bis dahin noch fast jedes Klavier ruiniert hatte, spielte neben den Instrumenten von Erard vorwiegend auf Bösendorfer-Klavieren, da diese Instrumente seinem Spiel standhielten.
1870 bezog das Unternehmen das schon bestehende Fabrikgebäude in der Starhemberggasse (heutige Adresse Graf-Starhemberg-Gasse 14) im 4. Wiener Gemeindebezirk Wieden. Zwischen 1871 und 1873 wurde die Fabrik für Bösendorfer adaptiert. 1872 später fand das erste Konzert in der ehemaligen Reitschule des Palais Liechtenstein an der Herrengasse statt, dem Bösendorfer Saal mit seiner legendären Akustik.
Auf diesem Flügel haben wahrscheinlich einige der größten Pianisten des frühen 20. Jahrhunderts Unterricht gehabt: u.a. Ignaz Paderewski, Wladimir Pachmann, Artur Schnabel, Mieczyslaw Horszowski und Ignaz Frieman - alles Schüler des großen Pädadogen Theodor Leschetizky, der auch Brahms zu seinen engen Freunden zählte. Der wird wahrscheinlich auch diese Tasten berührt haben...

     

Klangbeispiel: Johannes Brahms Göttinger Albumblatt a-Moll (1853)

gespielt von Gerrit Zitterbart Januar 2016

Klangbeispiel: Johannes Brahms Intermezzo h-Moll op.119,1 (1892)

gespielt von Gerrit Zitterbart Januar 2016